
Trotz der schwierigen Lage hielten die Gesellschafter an der GVG fest. Und sie wurden für ihre Geduld belohnt: 1963 legte das Unternehmen zum ersten Mal ein in etwa ausgeglichenes Ergebnis vor. Mittlerweile gab es ein breites Angebot moderner Gasgeräte, deren Vorteile immer mehr Kunden erkannten – und die Handwerker sahen nun auch ihre Chance für Zusatzgeschäfte. Außerdem lockten attraktive „Vollversorgungs-Sonderverträge“: Wer mit Gas heizte, erhielt besonders günstig das Gas für Herd und Warmwasserbereiter dazu.
Genug Gas war auf jeden Fall da: Zum bis dahin verteilten Kokereigas gesellte sich Mitte der sechziger Jahre das natürlich vorkommende Erdgas. Die Duisburger Thyssengas AG leitete im November 1966 als erster Importeur die neue Energie aus Holland in die deutschen Netze. Der Konkurrent Ruhrgas AG aus Essen zog rasch nach. Kurze Zeit später wurden umfangreiche Erdgas-Funde in der Sowjetunion bekannt. Ein kompletter Wechsel zu Erdgas kündigte sich an.
Für die GVG sollte das zum Glücksfall werden. Erdgas war günstig, längst nicht so explosiv wie Kokereigas, wesentlich energiereicher, und es enthielt insbesondere nicht das giftige Kohlenmonoxid. So fiel es dem Unternehmen leicht, große Lücken im Versorgungsgebiet zu schließen. Bis 1972 dauerte die Umstellung, dann floss das Erdgas beinahe überall. Fast 3.500 Kunden standen nun in den Büchern der GVG, gerade genug, um zum ersten Mal eine bescheidene Dividende von zwei Prozent, 60.000 Mark, an die Gesellschafter auszuschütten. In den folgenden Jahren schnellte die Kundenzahl steil nach oben, 1979 war sie auf knapp 14.000 angewachsen. Entsprechend gut fielen die Bilanzen aus. Jetzt bekamen die Gemeinden endlich ihre Konzessionsabgabe, auf die sie während der Verlustjahre des Versorgers hatten verzichten müssen. Da tat sich dann auch Erftstadt leicht, 1978 einen Konzessionsvertrag mit der GVG abzuschließen. Damit erweiterte sich das Versorgungsgebiet deutlich über den Kreis Köln hinaus – den es nach der Gemeindereform von 1975 ohnehin nicht mehr gab: Nun war die GVG für den neu gebildeten Erftkreis zuständig, und sie benannte sich deshalb um in „Gasversorgungsgesellschaft mbH Rhein-Erft“.
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