
Für den technischen Geschäftsführer Christian Ziemer, der diese Funktion seit 1968 wahrnahm, war dies ein angemessener Abschluss seiner langen Laufbahn: Im Sommer 1989 verabschiedete sich der Mann der ersten Stunde in den Ruhestand. Ziemer war ein Chef gewesen, der „richtig mit angepackt hat“ , wie sich ein Mitarbeiter erinnert. Sein Nachfolger wurde Ludwig Winkel, der vom Kölner Energieversorger GEW kam.
Für Winkel ging es nun darum, die technischen Voraussetzungen für die weitere Verbreitung von Erdgas zu schaffen – durch die Einführung neuer Techniken. Dabei kamen ihm die Energieversorgungs-Konzepte aus Erftstadt und Köln sehr gelegen: Sie sahen nämlich unter anderem einen verstärkten Einsatz von Erdgas in ihren Gemeinden vor.
Mittlerweile hatte sich die Palette der Geräte auch deutlich vergrößert - von modernen Blockheizkraftwerken bis zu Heizkesseln mit Brennwerttechnik. Gerade für die neue Brennwerttechnik eignete sich der Brennstoff Erdgas viel besser als der Wettbewerber Heizöl. Es gab auch mehr Erdgas-Kessel im Angebot. So betrachtete der Versorger das innovative Heizsystem als weiteres Einfallstor für zusätzliche Gas-Anschlüsse.
Schützenhilfe erhielt die GVG von den Herstellern, die durch immer wieder verbesserte Geräte das Angebot verbreiterten und das Thema Brennwert durch eigene Werbeaktionen bekannter machten. Auch die Stiftung Warentest bescheinigte im September 1996 in einer Untersuchung den Brennwertgeräten überragende Vorteile gegenüber den herkömmlichen Kesseln: Zwei dieser Gerätetypen wurden Testsieger. Im Hinblick auf Energieausnutzung und Umweltverträglichkeit schnitt die neue Technik generell deutlich besser ab als die etablierte Konkurrenz. Hinzu kamen weitere moderne Geräte, die nun auch mit Erdgas betrieben werden konnten: neben dem fast schon etablierten Herd der Wäschetrockner, der Grill oder für den Garten der Terrassenstrahler.
Weiteres Potenzial schlummerte noch ganz woanders. Erdgas konnte schließlich auch als Treibstoff für Autos eingesetzt werden. Die GVG spielte in der Region den Vorreiter und stellte bereits 1992 ein Kundendienst-Fahrzeug auf Erdgas um. Eine öffentliche Erdgas-Tankstelle richtete sie dann 1995 ein, wieder als eines der ersten Unternehmen in Nordrhein-Westfalen.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Ludwig Winkel die GVG aber schon wieder verlassen. Er wechselte 1993 als Technisches Vorstandsmitglied zur Rechtsrheinischen Gas- und Wasserversorgung AG Köln (RGW). Seine Funktion übernahm Manfred Schröder, der bisherige Abteilungsleiter Planung und Controlling. Gemeinsam mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Hermann Josef Burghaus steckte er schnell die nächsten Ziele der GVG in den neunziger Jahren ab: Bald sollten 1,5 Milliarden Kilowattstunden Erdgas verkauft werden. Dafür waren in den nächsten Jahren insgesamt 60 Millionen Mark an Investitionen in das Netz erforderlich.
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