FAQ Versorgungssicherheit

Ukraine-Krieg: Versorgungssicherheit und Preisentwicklung

Der Krieg in der Ukraine ist eine Tragödie für die betroffenen Menschen. Bei allen Diskussionen um Sanktionen, Versorgungssicherheit und Energiepreise steht das menschliche Leid im Vordergrund. Unser Mitgefühl gilt allen Menschen, deren Leben in Gefahr ist und die um das Leben ihrer Familien und Freunde fürchten müssen.

Viele Menschen machen sich angesichts der Krise auch Sorgen, was die Energieversorgung und die Preisentwicklung betrifft. Wir haben Antworten auf die wichtigsten Fragen zusammengestellt. Bei konkreten Fragen hilft Ihnen auch unser Kundenservice gerne weiter.

Ist die Versorgung mit Erdgas in der Region sicher?

Die GVG versorgt  Sie auch in der aktuellen Heizperiode weiterhin sicher und zuverlässig mit Erdgas. Die Erdgaslieferungen sind stabil und die benötigten Mengen werden entsprechend ins Erdgasnetz eingespeist. Die GVG bezieht ihr Erdgas vorrangig aus den Niederlanden und aus deutscher Produktion.

Hintergrund-Info:
Es handelt sich bei dem Erdgas um sogenanntes L-Gas. Weil die L-Gas-Mengen aus den Niederlanden mittelfristig jedoch endlich sind, läuft derzeit die bundesweite Erdgasumstellung auf H-Gas, welches vorrangig aus Norwegen und Russland geliefert wird. Die Umstellung in unserem Netzgebiet erfolgt jedoch erst in 2027. Weitere Infos zur Umstellung finden Sie hier. Zukünftig soll vermehrt auch Erdgas in verflüssigter Form als sogenanntes „Liquefied Natural Gas“ (LNG) aus entfernten Förderländern auf dem Seeweg nach Europa gelangen. Während in Deutschland hierzu entsprechende LNG-Anlandeterminals erst errichtet werden sollen, stehen z.B. in den Niederlanden derartige Anlagen bereits heute zur Verfügung.

Hinweis: LNG ist nicht zu verwechseln mit Flüssiggas, das aus Propan und Butan besteht. LNG hingegen ist verflüssigtes Erdgas.

Ist Deutschland für den Fall einer Versorgungskrise ausreichend vorbereitet?

In Deutschland regelt der „Notfallplan Gas für die Bundesrepublik Deutschland“ die Versorgung im Krisenfall:  Der "Notfallplan Gas" unterscheidet drei Krisenstufen mit unterschiedlich tiefen Eingriffen in das nationale Versorgungssystem: Frühwarnstufe, Alarmstufe und Notfallstufe.

Sollte es zu einem Lieferstopp von russischem Gas und damit zu einem Versorgungsengpass in Deutschland kommen, greifen zunächst verschiedene Maßnahmen der ersten beiden Krisenstufen, um die verfügbare Gasmenge zu erhöhen. Z. B. der Rückgriff auf Speicher oder der Bezug von Erdgas aus alternativen Lieferquellen. Hinzu kommen ein Wechsel auf andere Energieträger oder vertraglich geregelte Abschaltvereinbarungen mit der Industrie. Dabei erfolgt stets eine enge Abstimmung der Unternehmen der Gasbranche mit Bundebehörden und Bundeswirtschaftsministerium. Darüber hinaus ist Deutschland Teil eines europäischen Erdgas-Versorgungssystems, in dem sich die EU-Staaten im Bedarfsfall gegenseitig unterstützen.

Erst wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kann es zu Einschränkungen kommen. Dann greifen die Pläne der sogenannten „Gasmangellage“ bzw. die Notfallstufe wird ausgerufen, bei der  zunächst der Verbrauch großer Industrieanlagen oder anderer abschaltbarer Gewerbeanlagen gedrosselt werden. Private Haushalte, aber auch Einrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sind vom Gesetzgeber als besonders schützenswert eingestuft.

Wie sehen Alternativen aus, um Deutschland weiter mit Erdgas zu versorgen?

Werden die russischen Erdgas-Lieferungen nach Europa vollständig gestoppt, ist das – spätestens ab Herbst 2022 – eine große Herausforderung für die Energieversorgung in Deutschland und für die Versorgungssicherheit. Aber einen Lieferstopp hat es bisher selbst im kalten Krieg nicht gegeben. Ungeachtet dessen sind die deutsche Energiewirtschaft und die Politik sehr gut vorbereitet.

Europa kann auf einen breiten Liefermix bauen: Gas kommt gewissermaßen aus allen Himmelsrichtungen nach Europa und somit auch nach Deutschland. Hinzu kommt die sehr gute Gasspeicher-Infrastruktur insbesondere in Deutschland sowie das europäische Gas-Verbundnetz, das den innereuropäischen Gas-Austausch ermöglicht und in den vergangenen Jahren stetig weiter ausgebaut worden ist.

Aktuell kommt auch verstärkt Flüssigerdgas (LNG = Liquefied Natural Gas) via Großtanker aus den USA nach Europa. In gewissem Umfang besteht daher bereits heute die Möglichkeit, zusätzliche Flüssigerdgas-Mengen zu beziehen. Die derzeit größten LNG-Anbieter sind Katar, Australien und auch die USA. Insbesondere dort sind viele Produzenten in der Lage, ihre Angebotsmenge kurzfristig auszuweiten, um auf eine erhöhte Nachfrage zu reagieren.

Hinweis: LNG ist nicht zu verwechseln mit Flüssiggas, das aus Propan und Butan besteht. LNG hingegen ist verflüssigtes Erdgas.

Wie werden sich die Preise entwickeln?

Die Beschaffungskosten, die alle Energieversorger für Strom und Gas zahlen müssen, sind in den vergangenen Monaten geradezu explodiert. Im europäischen Durchschnitt stieg der Erdgasgroßhandelspreis innerhalb eines Jahres sogar um bis zu 500 Prozent. Je nach Einschätzung der aktuellen politischen Lage unterliegen die Beschaffungspreise seit dem Beginn des Krieges großen Preisschwankungen, wobei sich die extremen Preisspitzen aus Dezember 2021 und Anfang März 2022 zwischenzeitlich wieder abgeschwächt haben. Wie sich aber die Gaspreise kurz-, mittel- und langfristig entwickeln, kann niemand zuverlässig prognostizieren. Das wünschenswerte Ende der Kriegshandlungen hat dabei den entscheidenden Einfluss auf die weitere Entwicklung.

Sicher ist: Als Kunde der GVG profitieren Sie von unserer nachhaltigen Beschaffungsstrategie, bei der wir unsere Energiemengen zu einem hohen Anteil langfristig im Voraus beschaffen. Das macht uns unabhängiger vom sogenannten „Spotmarkt“, an dem Energiemengen kurzfristig eingekauft werden und der aktuell besonders teuer ist.  Da die Preissteigerungen jedoch bereits über einen längeren Zeitraum immens sind, lassen sie sich auch mit einer langfristigen Beschaffungsstrategie nicht mehr gänzlich ausgleichen.

Hinzu kommt, dass auch wir in „besonderen Situationen“ gezwungen sind, Energiemengen flexibel und kurzfristig am Spotmarkt zu beschaffen. Zum Beispiel aufgrund der Versorgungseinstellung von Billiganbietern (u. a. von gas.de., stromio.de etc.)  zum Ende letzten Jahres, als die GVG für viele dieser Kunden die Grundversorgung sichergestellt hat.

Sie können sich sicher sein, dass die GVG ihre Angebote seriös kalkuliert und Anstrengungen unternimmt, die Preisspitzen für die Kundinnen und Kunden abzufedern.

Ist die Investition in eine Erdgas-Heizung bzw. in einen Erdgasnetzanschluss sinnvoll und zukunftssicher?

Ja, denn die Zukunft der Energiemärkte ist für alle Energieträger aktuell gleichermaßen ungewiss. Für Erdgas spricht heute, dass es auch als „Hybrid-Heizung“ in Verbindung mit „sauberen Energien“ wie etwa einer Solaranlage oder einer Wärmepumpe genutzt werden kann. Denn wo Wärmepumpen nicht allein für den Wärmebedarf sorgen können, sind Hybridsysteme eine Lösung, bei denen eine Wärmepumpe die Hauptlast trägt und ein Heizkessel an kalten Tagen unterstützend einspringt. Außerdem werden durch die Leitungssysteme der Gasversorgung zukünftig vermehrt regenerative Gase zu den Endkunden fließen. So arbeiten derzeit viele Energieversorgungsunternehmen neben der Diversifizierung der Erdgas-Lieferketten über sogenanntes „Liquefied Natural Gas“ (LNG), auch an dem Ausbau von Erzeugungskapazitäten für Bio-Methan aus Reststoffen und für Wasserstoff – dem Energieträger der Zukunft. Insofern kann ein heute erstellter Hausanschluss zukünftig z. B. für eine mit Wasserstoff betriebene Heizung genutzt werden. 

Ist zukünftig eine Erdgas-Heizung noch nutzbar?

Ja, so lange ausreichend Erdgas bzw. andere gasförmige Energieträger auf dem Markt verfügbar sind, ist eine Gasheizung nach wie vor nutzbar. Die Politik und auch die Energiewirtschaft arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, die Abhängigkeit von russischem Erdgas zu reduzieren und die Lieferketten für sogenanntes „Liquefied Natural Gas“ (LNG) weltweit auszubauen. Zusätzlich erweitern die bisherigen Förderländer wie Norwegen und die Niederlande kurzfristig ihre Liefermengen.

Zukünftig spielt aber auch die Dekarbonisierung eine wichtige Rolle, so dass regenerative Gase an Bedeutung gewinnen und die bestehenden Lieferketten für Erdgas durchbrechen werden. Regionales aus Reststoffen erzeugtes Bio-Methan und grüner Wasserstoff werden hierbei eine Schlüsselrolle einnehmen. Es ist daher zu erwarten, dass mit politischer Unterstützung mittel- bis langfristig ausreichende Mengen an gasförmigen Energieträgern zur Verfügung stehen können.

Weitere Hintergrund-Infos (Quellen: BDEW und BMWI)

Wie ist der Füllstand der hiesigen Speicher?

Die deutschen Gasspeicher sind zum Winterende auf einem vergleichbaren Füllstand wie in den Vorjahren. Tagesaktuelle Daten zu den Gasspeicherfüllständen in Europa finden Sie hier: https://agsi.gie.eu/

Die Energiewirtschaft unterstützt die Bundesregierung in dem Bemühen, den Beitrag von Gasspeichern zur Versorgungssicherheit krisenfest zu machen. Unabdingbares Ziel ist, mit ausreichend gefüllten Gasspeichern in den nächsten Winter zu gehen, dies auch nachhaltig sicherzustellen und dabei Verbraucher nicht mit unnötig hohen Kosten zu belasten.

Wie viel Erdgas aus Russland kann kurzfristig ersetzt werden?

Stand heute lassen sich rund 50 % des russischen Erdgases innerhalb eines Jahres ersetzen oder substituieren. Das entspricht etwa 20 % des Jahresgasbedarfs in Deutschland. Im Wissen, dass ein Embargo nur mit erheblichen Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft einhergeht, arbeitet die Energiewirtschaft mit Hochdruck daran, mittel- bis langfristig unabhängig von russischen Importen und auch von fossilen Rohstoffen zu werden.

Mittel- bis langfristig muss Deutschland – auch aus klimapolitischer Sicht – unabhängiger von fossilen Rohstoffen werden. Es  braucht deshalb einen massiven Ausbau Erneuerbarer Energien und einen schnellen Hochlauf von Wasserstoff und Bio-Methan. Zudem müssen Hemmnisse bei der Genehmigung und Realisierung von Erneuerbare-Energien-Projekten abgebaut werden.

Informationen zur "Frühwarnstufe" und zur "allgemeinen Versorgungslage in Deutschland"

Die wichtigsten Antworten zu diesem Thema hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz in dem PDF FAQ Liste – Notfallplan Gas zusammengefasst.

Erdgas-Vorteile