Die Lage hat sich entspannt
Fangen wir mit der aktuellen Lage an. Auch wenn die Temperaturen zwischenzeitlich deutlich gesunken sind, schließen Experten für den restlichen Winter eine Gasmangellage, also einen Engpass bei der Gasversorgung, aus. Denn die Gasspeicher waren Mitte Januar noch mit über 80 Prozent ungewöhnlich hoch gefüllt und die Gasbezüge aus den Hauptlieferländern sind stabil. Auch für den nächsten Winter erwarten die Experten keinerlei Einschränkungen.

Milde Temperaturen und sparsamer Verbrauch
Was sind die wichtigsten Gründe dafür? Großen Einfluss auf den Gasverbrauch haben die Temperaturen. Das abgelaufene Jahr war das wärmste seit Aufzeichnung der Wetterdaten, auch die Monate Oktober bis Dezember waren sehr mild. Hinzu kam, dass Haushalte und Industrie erheblich Gas gespart haben. Zusammen genommen sank der Gasverbrauch von privaten Haushalten und Gewerbeunternehmen um 16,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, von der Industrie um rund 18,3 Prozent.
Energieexperten gehen davon aus, dass diese Tendenz anhält, zumal die Wärmeversorgung in den kommenden Jahren schrittweise auf mehr erneuerbare Energien umgestellt werden soll. Die Gasnachfrage wird also sowohl bei Haushalten als auch Unternehmen auf mittlere Sicht weiter sinken, was zu einer stabilen Versorgungslage beiträgt.

Neue Beschaffungsquellen erschlossen
Auch auf der Beschaffungsseite hat sich viel getan, um den Ausfall von russischem Gas seit dem Lieferstopp und der Sprengung der Nordseepipeline im September 2022 zu kompensieren.
Wichtigste Lieferanten sind seither mit 43 Prozent des Gesamtimports Norwegen, gefolgt von den Niederlanden mit 26 Prozent und Belgien mit 22 Prozent. Während aus Norwegen selbst gefördertes Erdgas über Pipelines nach Süden fließt, exportieren die Niederlande und Belgien Flüssigerdgas (LNG), das sie über die dortigen großen Häfen überwiegend aus den USA importieren. Es wird aus der Flüssigform in Gasform rückverwandelt und gelangt dann durch die vorhandenen Pipelines in das deutsche Erdgasnetz.
Auch Deutschland selbst importiert inzwischen über eigene Flüssiggasterminals verflüssigtes Erdgas aus den USA. Dieser Anteil von LNG an den Gasimporten betrug allerdings 2023 erst sieben Prozent. Weitere LNG-Terminals an den deutschen Küsten sind in Bau oder Planung und zusätzliche Bezugsquellen werden erschlossen. So soll sich der LNG-Import mittelfristig mehr als verdoppeln. Eine zentrale Rolle dabei spielen Lieferverträge mit Katar. Aber auch mit anderen Exportländern wie mit den Vereinigten Arabischen Emiraten werden Verhandlungen geführt.
(Zur Bedeutung der LNG-Terminals folgt ein ausführlicher Beitrag).
Rest-Unsicherheit bleibt
Mit Norwegen, den Niederlanden und Belgien sowie mittelbar den USA verfügt Deutschland über langfristig verlässliche Gaslieferanten. Allerdings liegen die Gasbezüge deutlich unter dem Niveau, das vor dem Ausfall russischer Bezüge bestand. Bei den bisherigen Sparanstrengungen hat das ausgereicht. Es bleiben folglich wichtig, beim Gassparen nicht nachzulassen, damit die Versorgung mittel- und langfristig gesichert ist.
Ein Risiko-Faktor betrifft weniger die Versorgungsmenge als die dafür international gehandelten Preise. Momentan drängt sehr viel LNG-Gas auf den Weltmarkt bei einer flauen Weltkonjunktur, sodass die Großhandelspreise zuletzt deutlich gesunken sind. Aber das muss nicht so bleiben. Im Unterschied zu Pipelinegas, das an seine Transportrichtung gebunden ist, können sich Spezial-Transportschiffe den Abnehmern zuwenden, die den besten Preis bieten. Deutschland hat bei der letzten Gaskrise gezeigt, dass es dabei mithalten und die Gasversorgung auch in einem schwierigen Umfeld sicherstellen kann.
So kommen wir ins Gespräch!
Was liegt Ihnen auf dem Herzen, wenn Sie an die aktuelle und künftige Versorgung mit Wärme und Warmwasser denken? An welchen Stellen sind Sie skeptisch oder haben Sie Rede- und Informationsbedarf? Lassen Sie es uns wissen.



